Gehalt, Ausbildung und AufgabenBeruf: Industriekaufmann / Industriekauffrau

Industriekaufmann

Industriekaufmann (Foto: Minerva Studio | Shutterstock)

Ausbildung

Der Industriekaufmann ist einer der beliebtesten Ausbildungsberufe überhaupt, denn Industriekaufleute finden eine Anstellung in Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche und Größen. Sowohl in der Materialwirtschaft als auch im Personalwesen sowie dem Finanz- und Rechnungswesen werden sie eingesetzt.

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Die Ausbildung zum Industriekaufmann beziehungsweise zur Industriekauffrau erfolgt sowohl in der Industrie als auch im Handwerk und dauert normalerweise drei Jahre. Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Ausbildung auf 2,5 oder zwei Jahre verkürzt werden. Diese Verkürzung muss vom Ausbildungsbetrieb genehmigt und bei der Industrie- und Handelskammer beantragt werden. Ob der Verkürzung stattgegeben wird, wird von Fall zu Fall entschieden; eine bundeseinheitliche Regelung besteht hierzu nicht. Die Ausbildung erfolgt im sogenannten dualen System. Das bedeutet, dass der Auszubildende sowohl im Ausbildungsbetrieb als auch in der Berufsschule unterrichtet wird. Meist wird die Ausbildung vertieft. Das heißt, einem Ausbildungszweig wird ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt. Das können bspw. die Bereiche Lager, Personal oder Vertrieb sein.

Nach etwa der Hälfte der Ausbildungszeit müssen die angehenden Industriekaufleute eine 90 Minuten dauernde Zwischenprüfung ablegen. Diese ist Voraussetzung dafür, zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Am Ende der Ausbildung muss an der Abschlussprüfung teilgenommen werden. Diese besteht aus den vier Bereichen:

  • Geschäftsprozesse (Marketing und Absatz, Personal, Beschaffung und Bevorratung)
  • Kaufmännische Steuerung
  • Kontrolle, Wirtschafts- und Sozialkunde
  • Einsatzgebiet

Letztgenannter Bereich wird mündlich geprüft, bei allen anderen Bereichen muss eine schriftliche Prüfung abgelegt werden. Bereits bei einem „Ungenügend“ in einem Prüfungsbereich gilt die Prüfung als nicht bestanden. In diesem Fall kann die Prüfung bis zu zwei Mal wiederholt werden.

Aufgabenbereich

Industriekaufmann Aufgaben

Der Aufgabenbereich des Industriekaufmanns ist vielseitig (Foto: Firma V | Shutterstock)

Die meiste Zeit ihres Berufsalltags verbringen Industriekaufleute am Computer, wo sie unter anderem Geschäftsvorgänge aller Art buchen oder Angebote und Statistiken erstellen. Der Einsatz kann dabei sowohl in Einzel- als auch in Großraumbüros erfolgen. In welcher Büroart man seinen Arbeitsplatz hat, hängt vor allem davon ab, ob man in einem kleinen, mittelständischen oder großen Unternehmen beschäftigt ist.

Der Aufgabenbereich eines Industriekaufmanns ist äußerst vielfältig. So kann er für die Erstellung von Angeboten ebenso zuständig sein wie für den Einkauf von Lagerware. Im Finanzbereich wiederum kann ihnen die Kosten- und Leistungsrechnung anvertraut werden, während sie sich in der Produktion um reibungslose Prozessabläufe kümmern.

Auch für die Auswahl neuer Mitarbeiter beziehungsweise die Erstellung von Lohn- und Gehaltsabrechnungen werden Industriekaufleute eingesetzt. Industriekaufmänner und -frauen haben also nicht nur mit anderen Mitarbeitern, sondern häufig auch mit der Geschäftsführung und Kunden zu tun. Der Industriekaufmann ist ein sehr verantwortungsvoller Beruf, der ein hohes Maß an Konzentration und Einsatzbereitschaft erfordert.

Anforderungen

Bestimmte Anforderungen sind vom Gesetzgeber für die Ausbildung zum Industriekaufmann nicht vorgeschrieben. Allerdings hat die Praxis gezeigt, dass Ausbildungsbetriebe bevorzugt Bewerber mit einer abgeschlossenen Hochschulreife (Abitur) einstellen. Ein Notendurchschnitt von 2,4 oder besser wirkt sich positiv aus; vor allem in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch wird Wert auf gute Noten gelegt. Etwa zwei Drittel aller Auszubildenden im Bereich der Industriekaufleute verfügen über die Hochschulreife; ein Drittel kann einen mittleren Bildungsabschluss vorweisen. Nur etwa zwei Prozent der Bewerber verfügen über einen Hauptschulabschluss.

Die Berufsbewerber sollten ein Interesse an kaufmännischen und organisatorischen Tätigkeiten haben. Zudem sollten ein gutes Verständnis für Zahlen und eine hohe Auffassungsgabe vorhanden sein. Weiterhin sollten sich die Bewerber gut artikulieren können. Sorgfalt, Einsatzbereitschaft und Kontaktbereitschaft sind weitere Eigenschaften, welche von den Bewerbern verlangt werden.

Gehalt

Industriekaufmann Gehalt

Das Gehalt des Industriekaufmanns ist lukrativ (Foto: baranq | Shutterstock)

Wie viel ein ausgebildeter Industriekaufmann verdient, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nach Bundesland verdienen Industriekaufleute zwischen 1.700 und 2.500 Euro brutto im Monat; das Einstiegsgehalt liegt etwa bei 2.200 Euro. In den westlichen Bundesländern sind die Verdienste deutlich höher als im Osten Deutschlands. Auch die Branche, in der ein Industriekaufmann tätig ist, bestimmt das Gehalt. Besonders hoch ist das Gehalt eines Industriekaufmanns im Kredit- und Versicherungsgewerbe, in der Informationstechnik sowie der Automobilindustrie. Üblich ist es zudem, dass Weihnachtsgeld in Form eines 13. Monatsgehaltes sowie Urlaubsgeld gezahlt werden. Je mehr Berufserfahrung man sammelt beziehungsweise je besser man sich weiterbildet, desto schneller steigt in der Regel das Gehalt des Industriekaufmanns.

Die Arbeitslosenquote der Industriekaufleute in Deutschland liegt übrigens bei nur etwa 3,6 Prozent.

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung richtet sich danach, ob der Auszubildende in der Industrie oder im Handwerk beschäftigt ist. Bei einer Ausbildung in der Industrie kann man von folgenden Ausbildungsvergütungen ausgehen:

  1. Lehrjahr: zwischen 810 und 870 Euro
  2. Lehrjahr: zwischen 865 und 925 Euro
  3. Lehrjahr: zwischen 920 und 1.000 Euro

Ausbildungskosten fallen für den Lehrling nicht an; die Ausbildung im Betrieb ist kostenfrei. Lediglich für Arbeitsmittel wie Lehrbücher und Ähnliches muss der Auszubildende selber sorgen. Wenn die Auszubildenden nicht mehr zu Hause bei ihren Eltern wohnen, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen Berufsausbildungsbeihilfe bei der Agentur für Arbeit beantragen. Dieser Antrag muss schriftlich gestellt werden.

Geschichtliches

Der Ausbildungsberuf Industriekaufmann wurde im Jahr 1936 erstmalig erwähnt; die aktuelle Ausbildungsverordnung für Industriekaufleute besteht seit dem Jahr 2002.

Karrierechancen / Weiterentwicklung

industriekaufmann karriere

Industriekaufleute haben vielfältige Aufstiegschancen (Foto: wavebreakmedia | Shutterstock)

Wer den Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns erfolgreich abgeschlossen und mehrere Jahre ausgeübt hat, kann sich auf verschiedene Arten weiterbilden und so seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern. Eine besonders beliebte Form der Weiterbildung ist die Ausbildereignungsprüfung. Wer sich für diese Weiterbildung entscheidet, ist danach in der Lage, selbst auszubilden.

Auch die Weiterbildung zum Fachkaufmann ist sehr beliebt; hier stehen den Industriekaufleuten diverse Fachbereiche zur Auswahl. Im Gegensatz zum Fachwirt ist die Weiterbildung zum Fachkaufmann nicht auf einen bestimmten Wirtschaftszweig beschränkt.

Eine weitere Möglichkeit der Weiterbildung ist die Ausbildung zum Geprüften Bilanzbuchhalter. Um diese Weiterbildung absolvieren zu können, sind bestimmte Voraussetzungen nötig. Dazu zählt nicht nur die abgeschlossene Berufsausbildung, sondern auch eine gewisse Praxiserfahrung, bestenfalls im Bereich der Buchhaltung. Sowohl die Kosten- und Leistungsrechnung als auch der Jahresabschluss sollten für den angehenden Bilanzbuchhalter nicht fremd sein. Nach einer erfolgreich abgelegten Prüfung können Bilanzbuchhalter sowohl in Unternehmen aller Art als auch bei einem Steuerberater angestellt sein oder sich selbstständig machen. Bilanzbuchhalter ist nicht nur ein abwechslungsreicher und interessanter Beruf, sondern auch gefragt und daher gut bezahlt. Jahreseinkommen von 45.000 Euro und mehr sind durchaus keine Seltenheit.

Sehr gefragt sind zudem Industriekaufleute mit Fremdsprachenkenntnissen; besonders dann, wenn das Unternehmen auch im Export tätig ist. Entsprechende Weiterbildungen kann man sehr gut berufsbegleitend an einer Abendschule oder auch im Fernstudium absolvieren.

Besonders fähige Industriekaufleute, die sich in ihrem Beruf bewähren und die Übernahme neuer Verantwortungen nicht scheuen, können sich auch ohne Studienabschluss bis ins Management hocharbeiten.

Bewerbung

Industriekaufmann Bewerbung

Industriekaufmann – Gut vorbereitet zum Bewerbungsgespräch (Foto: Kzenon | Shutterstock)

Da der Industriekaufmann einer der beliebtesten Ausbildungsberufe überhaupt ist, gibt es dementsprechend viele Bewerber. Mit dementsprechend hoher Sorgfalt sollte man an die Bewerbung gehen. Die Bewerbungsunterlagen sollten vollständig sein und professionell gestaltet werden. Die Personalabteilung sitzt vor einem Stapel von Bewerbungsunterlagen und muss sich für den geeignetsten Bewerber entscheiden. Hier zählt, was aus der Masse heraus sticht. Persönliche Worte zur eigenen Motivation, Praktika und passende Hobbys erhöhen die Chancen ebenso wie gute Noten in den relevanten Fächern.

Im Vorstellungsgespräch gilt es nicht nur, einen möglichst gepflegten und souveränen Eindruck zu machen, sondern sich bestenfalls von der Masse abzusetzen. Grundvoraussetzung für ein erfolgsversprechendes Vorstellungsgespräch ist die richtige Bekleidung. Diese sollte möglichst adrett und keinesfalls zu flippig sein; immerhin ist der Industriekaufmann ein seriöser Beruf. Höfliche Umgangsformen und eine freundliche Mimik und Gestik verstehen sich von selbst. Zum Vorstellungsgespräch sollte man bestenfalls zwei vollständige Bewerbungsmappen mitnehmen. Eine Mappe behält man selbst in der Hand, die andere kann man einem dritten Teilnehmer übergeben, welchem die Unterlagen eventuell nicht vorliegen. Ebenso kann man selbstverständlich einen Notizblock bei sich haben, auf welchem man sich wichtige Fragen notiert.

Positiv fällt es der Personalabteilung auf, wenn man sich bereits im Vorfeld ein wenig über das Unternehmen informiert hat und gegebenenfalls sogar über Insiderwissen verfügt. Dies zeigt den Mitarbeitern, dass man sich wirklich für die Firma interessiert und gerne dort arbeiten würde. Auch, warum man sich gerade für eine Ausbildung zum Industriekaufmann interessiert, sollte man sich bereits im Vorfeld überlegen. Wer gerne mit Zahlen arbeitet, diverse Computerkenntnisse hat und über eine gute Kommunikationsfähigkeit verfügt, hat hier sicher besonders gute Chancen.

Warum ist die Ausbildung zum Industriekaufmann so beliebt?

In den letzten Jahren stand der Ausbildungsberuf Industriekaufmann stets ganz weit oben auf der Top Ten Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe. Das liegt hauptsächlich daran, dass Industriekaufleute in zahlreichen Bereichen und Betrieben eingesetzt werden können und eigentlich immer und überall gebraucht werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Ausbildungsberufen, muss man sich beim Industriekaufmann keinen besonderen Schwerpunkt aussuchen. Vielmehr ist der Industriekaufmann ein Allroundtalent, das sowohl im Absatz und Vertrieb als auch im Lager oder dem Rechnungswesen eingesetzt werden kann.

Sebastian Fiebiger: Du interessierst Dich für den Beruf des Industriekaufmanns? Warum? Hast Du Dich schon beworben? Mit Erfolg? Oder arbeitest Du schon als Industriekaufmann? Ist es noch immer Dein Traumberuf? Ich bin sehr gespannt, auf Deine Erfahrungen, Meinungen und Fragen. Weißt Du etwas, das hier noch fehlt? Schreib mir – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Das funktioniert auch ganz ohne lästige Anmeldung und hilft anderen Lesern.

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