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Bruttosozialprodukt – Definition und Bedeutung

Das Bruttosozialprodukt als Wirtschaftsbarometer

Das Bruttosozialprodukt als Wirtschaftsbarometer (Foto: isak55 | Shutterstock)

Das Bruttosozialprodukt ist ein wichtiges Wirtschaftsbarometer. Aufgrund verschiedener Daten ermitteln die so genannten Wirtschaftsweisen zweimal im Jahr ihre Prognosen für den Verlauf des Bruttosozialprodukts. In den Nachrichten ist dies eine Spitzenmeldung, und die Politiker geben umgehend ihre Statements dazu ab.

Was ist aber dieses Bruttosozialprodukt?

In der offiziellen Sprachregelung heißt es: „Das Bruttosozialprodukt ist in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ein in Geld angegebenes Maß für das Einkommen der Inländer einer Volkswirtschaft im formellen Sektor.“

Bruttosozialprodukt – Zusammensetzung

Einfacher gesagt: Es ist das gesamte Einkommen eines Staates, das sich folgendermaßen zusammensetzt: 1. das Einkommen aus Arbeitnehmertätigkeit und 2. aus Unternehmereinkommen und 3. Einkünfte aus Kapitalerträgen. Grundlage ist immer ein bestimmter Zeitraum – meistens ein Jahr. Da Vorhersagen über die Entwicklung des Bruttosozialprodukts für ein Jahr immer schwieriger werden, legen die Wirtschaftsweisen ihren Bericht alle sechs Monate vor.

So einfach wie eben dargestellt ist das Ganze dann doch nicht. Es gibt verschiedene Unterteilungen und Unterscheidungen, die enger begrenzte Bereiche erfassen: zum Beispiel das Inlands- und das Inländerkonzept.

Im Inlandskonzept des Bruttoinlandsprodukts wird die wirtschaftliche Leistung in einem einzigen Wirtschaftszweig unter Einbeziehung der Einpendler ohne die Auspendler erfasst. Beim Inländerkonzept spielt das Leistungsgebiet keine Rolle, sondern ausschließlich die hier lebenden Personen, die Einkommen aus den wirtschaftlichen Leistungen erhalten.

Das bedeutet, im Ausland wohnende Inländer, die einem anderen Wirtschaftsbereich zugerechnet werden, in die Leistungsberechnung mit einfließen, während im Wirtschaftsbereich arbeitende Leistungsträger, die einem anderen Wirtschaftsbereich zugeordnet werden (im Inland wohnende Ausländer), herausgerechnet werden.

Bewertung des Bruttosozialproduktes

Die Bewertung erfolgt zu Marktpreisen, das heißt, einschließlich der Gütersteuern (Produktions- und Importabgaben) und abzüglich der Gütersubventionen.

Eigentlich trägt jeder durch seine Arbeit und dem damit verbundenen Einkommen zum Bruttosozialprodukt bei.

Beispiel

Zum Beispiel ein Schneider: Er kauft Stoff für 100 Euro plus 19 Euro Mehrwertsteuer, macht daraus eine Kleid und verkauft es für 300 Euro plus 57 Euro Mehrwertsteuer. Er hat eine Bruttowertschöpfung von 200 Euro erwirtschaftet: Produktionswert 300 Euro minus Vorleistungen (Stoffkauf) von 100 Euro. Außerdem hat er an den Staat 57 minus 19 Euro = 38 Euro Mehrwertsteuer bezahlt. Sein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt beträgt 238 Euro.

Das Beispiel ist übertragbar auf die gesamte Wirtschaft eines Landes: Alle im Inland ansässigen Unternehmen kaufen etwas (das ist ihre Vorleistung), verändern und verkaufen es. So wird die gesamte Bruttowertschöpfung eines Staates erwirtschafte: die Summe aller Verkaufserlöse minus der Summe aller Vorleistungen. Das Bruttoinlandsprodukt entspricht der Bruttowertschöpfung im Inland (zuzüglich nicht abzugsfähige Mehrwertsteuer und Einfuhrabgaben wie Zölle).

Zieht man vom Bruttonationaleinkommen die Abschreibungen ab, ergibt sich das Nettonationaleinkommen (oder Nettosozialprodukt) zu Marktpreisen.

Sebastian Fiebiger

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3 Kommentare
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Kommentare:
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  • 🕝 Steindorf

    Mich würde eine Statistik über die Entwicklung des Bruttosozialproduktes interessieren.
    Ich finde, dass die Rentendiskussion hinsichtlich der Überalterung der Bevölkerung in die falsche Richtung geht. Warum wird der Frage hinsichtlich der Koppelung der Renten an das Bruttosozialprodukt ausgewichen und nur immer am Alter festgemacht. Wenn immer weniger Menschen ein höheres Bruttosozialprodukt erwirtschaften, spielt das Alter der Menschen doch nicht die entscheidende Rolle, wie der Bevölkerung weisgemacht wird. Die Menschen sollen immer länger arbeiten, aber für wen?

  • 🕝 Steven Hartkorn

    [@Sebsatian Fiebiger(Wie aufgefordert mein Warum)] Ich mache mir gerne unnötige Gedanken 😉 wie in diesem Fall eine Verstaatlichung von allem, mit dem Ziel die Arbeitslosigkeit auf 0 zu reduzieren, jedem im Land ein angemessenes Gehalt zu zahlen und somit Wohlstand und diverse andere dinge zu erreichen. Wenn alles über den Staat läuft hat man alles in einer Bilanz und es sollte eigentlich bei unserer Guten Wirtschaft und wenn man nimmt das die Gehälter größten teils in Form von ausgaben an Dienst oder Sachleistungen wieder an den Staat zurück gehen plus Export Einnahmen etc. sollte vom Staat mehr Geld erwirtschaftet als ausgegeben werden, was wiederum die Finanzierung von dingen tragen kann die keine Materiellen oder Geldlichen Einkünfte bringen wie Bildung, Betreuung etc. und um mir ein Bild davon zu machen ob dies so funktionieren kann wollte ich die Einnahmen der Deutschen Wirtschaft nehmen und damit ein wenig rechnen.

  • 🕝 Anonymous

    ich mach es wegen Hausaufgaben

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